Der vernachlässigte Fohlenhuf
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Der vernachlässigte Fohlenhuf und seine Folgen

Stellungsfehler beim ausgewachsenen Pferd sind in den allermeisten Fällen durch Vernachlässigung der Fohlenhufe bei der Aufzucht erworben. In der Regel werden Fohlen mit gesunden, regelmäßigen Hufen geboren. An den Hufsohlen des Fohlens befindet sich ein weiches, zottiges Hornpolster (zum Schutz der Stute im Mutterleib). Diese Hornmasse, das sogenannte „Fohlenkissen“ trocknet einige Tage nach der Geburt ein und fällt dann von selbst ab (keinesfalls soll das Fohlenkissen von Hand abgerissen werden). Von nun an ist der noch weiche Huf allen Einflüssen preisgegeben.

Die Form des Fohlenhufes unterscheidet sich von der erwachsener Pferde dadurch, dass der Huf am Tragerand wesentlich enger ist als am Kronenrand. Durch reichliche und regelmäßige Bewegung kann sich der Huf im Laufe der Zeit normal entwickeln. Im Alter von ca. 1 - 1 1/2 Jahren ist dann meist eine normale Hufform erreicht.

Bei Bewegungsmangel, z. B. bei Boxenhaltung, muss in erhöhtem Maße mit einer Störung der normalen Entwicklung der Huf gerechnet werden. Die Weidehaltung auf mittelhartem Boden ist daher die günstigste Form der Fohlenaufzucht.
Solange sich die Gliedmaßen im Wachstumsstadium befinden, können ggf. sich bildende Stellungsfehler erfolgreich und dauerhaft korrigiert werden.

Um die regelmäßige Hufpflege und –Kontrolle zu erleichtern, sollten Sie möglichst früh das Hufe-Aufhalten mit dem Fohlen spielerisch und ohne Gewaltanwendung üben. Dazu sollte das Fohlen nicht von der Stute getrennt und auch nicht angebunden werden, denn dies hätte Panik und heftige Abwehrreaktionen beim Fohlen zur Folge. Gehen Sie beim Aufhalten der Hufe äußerst behutsam und ruhig mit dem Fohlen um und halten Sie den Huf am Fesselbein mit nur einer Hand möglichst locker, so dass das Fohlen sich selbst auf drei Gliedmaßen richtig ausbalancieren kann. Das Fohlen darf sich dabei keinesfalls eingeengt fühlen. Versuchen Sie nicht die aufgehaltene Gliedmaße am Röhrbein vom Körper des Fohlens nach außen zu ziehen oder einen Teil des Gewichtes vom Fohlen
mit zu tragen, denn dies führt zum Verlust der Balance beim Tier und damit ebenfalls zu Panik und Abwehrreaktionen.

Wenn das Fohlen sich dieses nach einigen Tagen an allen Hufen gefallen lässt, versuchen Sie am aufgehaltenen Huf durch Klopfen mit den Fingerknöcheln auf die Hufsohle ein Bearbeiten der Hufe zu imitieren. Wiederholen Sie dies möglichst täglich auf spielerische Weise.
Das so vorbereitete Fohlen hat vertrauen zum Menschen und wird bei der anfallenden Hufpflege keine Schwierigkeiten bereiten, es sei denn, ein allzu grober und polteriger Hufschmied oder –Pfleger erschreckt bzw. verängstigt es. In diesem Fall sollten Sie die Handlung sofort abbrechen, um das (frisch) gewonnene Vertrauen des Fohlens nicht sinnlos zu verspielen.


Die Entstehung von Stellungsfehlern und deren Folgen

Bei der Beurteilung der Fohlenhufe ist nach der sogenannten Fesselstandstheorie vorzugehen. Diese besagt, dass die Achse des Hufes von vorne und von der Seite gesehen mit der Achse des Fesselbeines fluchten (d. h. in einer Linie sein) muss. So ist eine natürliche, ausgewogene Lastverteilung in der gesamten Gliedmaße sichergestellt. Passt die Hufachse nicht zur Fesselachse, muss unverzüglich durch entsprechendes ausschneiden korrigiert werden.

Für das Entstehen von Stellungsfehlern können verschiedene Ursachen in Frage kommen.
Hier gilt: Vorbeugen ist besser als Heilen.
Werden Fohlen überwiegend in Boxenhaltung bei entsprechend geringer Bewegungsmöglichkeit aufgezogen, nützt sich weniger Horn ab als nachwächst. Durch die Verlängerung des Hufes entsteht eine größere Hebelwirkung mir stärkerer Beanspruchung der Trachten, des Fesselträgers und des gesamten Beugesehnenbereiches. Die Folgen können dann sein, Durchtrittigkeit, eingezogene bzw. untergeschobene Trachten und Überbeanspruchung der Hufrolle mit vorzeitigem Verschleiß am Strahlbein und der tiefen Beugesehne. Um dieses zu vermeiden, ist es unumgänglich, die Hufe des so gehaltenen Fohlens in einem Zeitabstand von höchstens drei Wochen zu korrigieren und für ausreichend Bewegung zu sorgen. Desweiteren sollten die Hufe 2 – 3 mal wöchentlich gereinigt werden, um Fäulnisbildung durch Dung und Harn zu vermeiden.


Auch bei der Weidehaltung, die als natürlichste und beste Art der Fohlenaufzucht anzustreben ist, können sich Stellungsfehler bilden. Der Fohlenbockhuf ist selten angeboren. Er entsteht meistens beim Weidegang auf harten und steinigen Böden.
Das Fohlen belastet dabei beim Grasen, bedingt durch seinen relativ kurzen Hals, hauptsächlich den vorderen Teil des Hufes. Dadurch wird der Zehenteil stärker abgenutzt, die Trachten jedoch kaum belastet. Ein Bockhuf entsteht. Wird dieser Zustand nicht regelmäßig, d. h. ca. alle 3 – 4 Wochen, korrigiert, passen sich die Sehnen durch Verkürzung an und es entsteht daraus ein Stelzfuß. Diesen jedoch zu korrigieren ist weitaus aufwendiger und langwieriger als durch regelmäßige Kontrolle und ggf, Korrektur des Hufes seine Ursache, den Bockhuf, zu verhindern und oft nur durch teuren orthopädischen Beschlag bzw. bekleben mit Fohlenbockhufschuhen möglich.

Einige Fohlen spreizen beim Grasen die Vordergliedmaßen, um mit dem Maul den Boden leichter zu erreichen. Sie stehen also Bodenweit. Dabei werden die inneren Hufhälften übermäßig belastet und abgenutzt, wodurch sich ein krummer Huf bzw. ein halbeng – halbweiter Huf bildet. Es entwickelt sich eine Zehenweite Gliedmaßenstellung. Ähnliches geschieht an den hinteren Gliedmaßen bei einer evtl. Neigung der Fohlen zur kuhhessigen Gliedmaßenstellung. Hier jedoch wird hauptsächlich die äußere Trachtenwand stärker belastet. Wird nicht alle 4 – 5 Wochen korrigiert, verstärkt sich der Stellungsfehler.


Fazit:

Die regelmäßige Kontrolle der Fohlenhufe durch einen erfahrenen Hufschmied, besonders in den ersten beiden Lebensjahren, ist somit bestimmend für das ganze Leben des Pferdes. Denn werden auftretende Stellungsfehler nicht dauernd korrigiert, manifestieren sich diese nach der Mineralisierung der Wachstumsfugen beim Erwachsenwerden des Fohlens endgültig in den Gelenken und Gliedmaßen. Eine dauerhafte Korrektur ist dann nicht mehr möglich. Die Folgen sind permanente Überbelastung der Gelenke, Sehnen und Bänder. Dies führt – oft schon im ersten Lebensjahrzehnt – zu vorzeitigen unheilbaren Verschleißerscheinungen in Form von Arthrosen, Krongelenkschale, Hufknorpelverknöcherung und chronischer Hufrollenentzündung.


Bernhard Mayr

staatlich geprüfter
Hufbeschlagschmied / Schmiedemeister
 

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